Seit einiger Zeit werden Bundles des stromsparenden AMD Geode Prozessors mit verschiedenen Low-Budget Boards auf dem Markt geworfen. Diese eigenen sich perfekt, um einen stromsparenden leisen Office oder Wohnzimmer PC zusammenzustellen. Zu ersterem Zweck habe ich mir bei Pollin das Bundle aus dem PC Chips Mainboard M811 und einem Geode 1750+ besorgt.
Allerdings lässt das Board nur eine Spannung von 1,425 Volt für zu, was zum einen über den Spezifikationen des Geode liegt und zum anderen lüfterlosen silent Betrieb unmöglich macht. Mit etwas Geschick kann man jedoch dem Board eine frei einstellbare Spannung bis herunter auf 1,10 Volt entlocken.
Um die erforderlichen Modifikationen durchzuführen sollte folgendes vorhanden sein:
- Lötkolben mit einigermaßen feiner Spitze sowie Erfahrung im Umgang damit ;)
- Eine Nadel, um die Pins des Spannungsreglers anhebeln zu können
- Eine Heißklebepistole, um das Werk nach Abschluss der Arbeiten zu fixieren
- Mut und eine ruhige Hand
Vorgehensweise
Die Spannung mit der der Prozessor versorgt wird wird auf jedem Mainboard von einem Spannungsregler bereitgestellt. Dieser kann verschiedene Bauformen annehmen, ist jedoch sehr oft in einem standard IC (Chip) gekapselt und irgendwo in der Nähe der CPU untergebracht.
Normalerweise meldet die CPU dem Spannungsregler über einen fest auf der CPU verdrahteten Code welche Spannung benötigt wird und der Spannungsregler stellt diese dann zur verfügung. Allerdings funktioniert das aus verschiedenen Gründen bei einigen exotischen CPUs nicht immer einwandfrei.
Wir wollen nun den Code der CPU ignorieren und dem Spannungsregler eine eigene Kombination übermittlen, um die gewünschte Spannung zu erzeugen.
Dazu müssen die 5 Datenleitungen VID0 bis VID4 des ICs vom Mainboard abgelötet werden, um dann neu belegt werden zu können.
Modifikationen
Bei dem PC Chips M811 Mainboard ist der Spannungsregler IC ein RT9237 (Datenblatt) und befindet sich hinter dem Parallelport bzw. den PS/2 Anschlüssen.

Um eine neue Spannung einzustellen müssen nun die im Foto gelb markierten PINs VID0 bis VID4 abgelötet werden. Dazu beginnt man am besten mit dem äußersten PIN VID4. Die Nadel steckt man seitlich unter den PIN während man den Lötkolben senkrecht von oben ansetzt, um lediglich mit der Spitze die gewünschte Stelle zu erhitzen. Dann kann man den PIN mit der Nadel vorsichtig nach oben biegen. Das gleiche Spiel folgt dann mit den anderen PINs.
ACHTUNG
Dabei sehr vorsichtig vorgehen. Sollte einer der PINs abbrechen war alles umsonst und unter Umständen ist das Mainboard dann unbrauchbar!


VCore einstellen
Hier noch eine kleine Übersicht darüber für welche Taktfrequenzen der Geode 1750+ in Abhängigkeit von der Kernspannung spezifiziert ist:
Geode NX Voltage and Frequency Combinations V_CORE 1.25V 1.20V 1.15V 1.10V 1.05V 1.00V Geode NX 1750 1400MHz 1200MHz 1133MHz 1067MHz 1000MHz -
Die neue Spannung stellt man dann ein indem man die “losen” PINs mit Masse (also dem Minus Pol) verbindet oder nicht.
Ganz wichtig dabei:
Eine Verbindung mit Masse ist die logische “0″, ein loser PIN die logische “1″.
Die Kombinationen für die jeweiligen Spannungen kann man aus dem Datenblatt lesen.

Testen
Sobald die nötigen Verbindungen hergestellt sind kann man einen Versuch wagen und den PC anwerfen.
Im BIOS sollte man sofort Spannung und Temperatur prüfen, um zu sehen ob die Arbeiten zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Ist alles glatt gelaufen sollte es ca. so aussehen:

Am Ende bleibt nur noch alles mit Heißkleber zu fixieren und fertig ist der (fast) lüfterlose PC.
Bilder
Zum Schluss noch einige Bilder von meinen Umbauten.
Um flexibel zu bleiben habe ich mich dazu entschlossen die PINs über einige Steckbrücken zu verbinden. So kann ich jederzeit die Spannung wieder ändern, falls notwendig.
Quellen
- http://www.vdr-portal.de/board/thread.php?postid=416486#post416486
- http://www.vdr-portal.de/board/thread.php?threadid=47006

Hi,
das war der p-e-r-f-e-k-t-e Artikel für mich. Danke für die gut beschriebene und bebilderte Dokumentation.
Ich habe die Modifikation bei meinem AsRock K7VM2 durchgeführt. Das ist ein Mikro-ATX-Board mit Via KM266-Chipsatz und, wie bei fast allen Micro-Boards, natürlich ohne die Möglichkeit, im BIOS die Vcore zu senken.
Der Spannungsregler-IC ist ein L6916 (L69160 H99930327) von ST Micro. Ein Datenblatt habe ich im Netz nicht finden können, aber die Information, dass es sich um einen 5-bit programmable dual-phase controller handelt. Auf der Webseite von STMicro fand ich aber die Datenblätter des L6919E und des L6917B. Diese beiden haben ein quasi identisches Pin-Layout und bei beiden liegen VID0 bis VID4 auf Pin 18 bis 22. Das könnte doch beim 6916 vielleicht auch…? Mit einem Multimeter habe ich getestet, ob beim L6916 die gleichen Pins auf Masse liegen, wie bei den anderen laut Datenblättern. Nachdem das der Fall war habe ich es gewagt, wie auf dieser Seite beschrieben vorzugehen und es hat (mit viel Vorsicht, meinem kleinsten Lötkolben und viel Heißkleber) einwandfrei funktioniert. Pin 22 (VID4) steht jetzt dauerhaft hoch und die Pins 18-21 können über einen 4-pol. DIP-Schalter geschaltet werden (=1,000V-1,450V).
Jetzt läuft ein Duron 1800 Applebred mit 100×13,5 = 1350 MHz auf 1,100 Volt und wird passiv gekühlt. Nebenbei bemerkt, ein wirklich guter Prozessor fürs undervolting. Selbst für 1800 MHz (133×13,5) reichen ihm 1,300 Volt und dadurch ein Lüfter mit minimaler Drehzahl (5V und zusätzlich 20 Ohm Vorwiderstand, so dass er gerade noch sicher anläuft).
Also, nochmal danke! Micro-ATX-Boards mit einstellbarer Kernspannung sind extrem selten und wenn doch mal eins angeboten wird, ist es teuer. Jetzt habe ich eins… ;-)
Das weckt inzwischen neue Begehrlichkeiten. Könnte man die Vcore noch unter 1,1 Volt bekommen, indem man den Referenzeingang des ICs mit einem Widerstand ändert? Im OC-Sektor ist das doch in umgekehrter Richtung recht beliebt…
Aber das nächste Board wartet schon. Der IC ist ein hip6302cb. VID 0-4 liegt auf Pin 5-1 ;-))) Ich brauche unbedingt 5-polige DIP-Schalter.
Viele Grüße
Oliver
Erstmal danke für das Lob und den ausführlichen Erfahrungsbericht mit deinem Board. Finde es auch echt schwach, dass es kaum Boards mit einstellbarer Kernspannung gibt. Dabei ist es meistens echt lächerlich einfach mit ein paar DIP-Schalter oder Jumpern die Funktionalität nachzurüsten. Die paar cent sollten da schon ab Werk investiert werden und nicht nen ganzen Batzen Kosten.
Die Spannung durch Manipulation der Referenzspannung weiter zu senken geht meines Wissens nach nicht so einfach. Der Wiederstand hätte eher den gegenteiligen Effekt. Meist wird zum anheben der Spannung eine Diode zwischengeschaltet, da diese einen definierten Spannungsabfall hat. Da dieser allerdings meist bei 0.6V liegt (außer bei teureren Low Drop Dioden) sind die hierfür wohl nur grenzwertig geeignet, da die erzeugte Spannung dann um eben diese 0.6V steigt und das meist etwas viel ist. Einen ähnlichen Effekt hätte der Widerstand. Allerdings ist da der Spannungsabfall und damit, die sich ergebende Spannungserhöhung durch den Strom bestimmt der durch ihn hindurch fließt (U = R * I) und damit vom verwendeten Spannungsregler abhängig. Kurz: Man muss damit rumspielen, um rauszufinden was ein geeigneter Wert ist, da dieser von Regler zu Regler verschieden ist.
Um die Spannung weiter zu senken müsste man die Referenzspannung des Reglers irgendwie unter die 0V ziehen. Evtl. könnte man da mit einer zweiten Spannungsquelle was drehen. Ist hier aber bissl schwierig zu erklären wie ich das meine. Bei Interesse einfach nochmal posten, dann werd ich mal sehen, ob ich nen kleinen Schaltplan zusammenkriege und das auch mal testen. Wäre sicher interessant.
So long
Flo
[...] Da ich seit einiger Zeit zudem ein bei Pollin Elektronik gekauftes Bundle aus dem PChips M811 Mainboard und dem stromsparenden Geode Prozessor auf Lager hatte sollte das die Basis unseres neuen Servers werden. Dabei handelt es sich übrigends um das Bundle aus dem Modding Projekt und bietet so perfekte Vorraussetzungen für eine passive Kühlung der CPU. [...]
Intel Pentium M 745 undervolten: 0.7V VCore
Heute habe ich mich endlich dazu durchgerungen, mich mit der Kernspannung meiner Notebook CPU auseinanderzusetzen.
Da das hier keine komplette Anleitung werden soll, verweise ich an dieser Stelle auf NordicHardware, die ein gutes Tutorial zu den Grundl…
Hallo Flo,
Könntest Du mir sagen, ob ich Prozedere auch beim “Gigabyte GA-AN-SLI Quad Royal” motherboard machen kann, mit einem Intel Q6600 G0 Prozessor?
Wo kaufe ich am besten das Löt-Werkzeug? Welcher Lötkolben, etc.?
Wo bekomme ich die Steckbrücken, etc.: Gibt es dazu noch einige grössere Bilder?
Welchen Output Voltage müsste ich für den Q6600 G0 einrichten?
Vielen Dank im Voraus.
Also machen kann man so einen Mod eigentlich bei jedem Mainboard. Wie das im Detail aussieht ist allerdings mehr oder weniger unterschiedlich, das müsstest du dann schon selbst rausfinden: Spannungsregler suchen, Datenblatt besorgen, umbauen.
Equipment gibts bei Conrad/Reichelt/Pollin.
Hallo,
also ich habe ja nix dagegen, dass Du das hier verbreitest. Aber Du hast zwei von meinen Fotos geklaut. Das ganze Prinzip habe ich mir nämlich ausgedacht und zuerst bei http://www.vdr-portal.de/board/thread.php?postid=416486#post416486 beschrieben. Die DIP-Schalter hat dann ebenfalls im VDR-Board kilroy vorgeschlagen. Er hat ausserdem sehr viel weitere Info zum M811 zusammengetragen und unter http://www.vdr-portal.de/board/thread.php?threadid=47006 veröffentlicht.
Du hättest auf jeden Fall um Erlaubnis fragen sollen, bevor Du meine Fotos benutzt und Du hättest auf den Original-Artikel verweisen sollen. Du erweckst den Eindruck als sei das auf Deinem Mist gewachsen. Nicht die feine englische, oder?
Ich will nicht mal, dass Du die Seite hier löschst oder so. Aber ein Verweis auf deine Quelle ist sicher nicht zuviel verlangt, oder?
TomFy
Hi TomFy,
jepp du hast vollkommen recht.
Bei den Fotos hab ich mir nicht viel gedacht. Als ich den Artikel verfasst hab hatte ich nur keine enstprechende Kamera zur Hand, um selbst welche von meinem (Nach-)Bau zu machen.
Die Idee zu dem Voltmod hab ich mir zum Teil von den von dir angegebenen Links geholt, das ist wahr und deshalb werd ich auch die Verlinkung noch nachholen.
Tut mir wirklich leid, dass ich das wohl vergessen hab. Und danke für den verhälltnismäßig netten Hinweis und die Erlaubnis deine Fotos weiter online zu lassen. Kann deinen Ärger schon nachvollziehen.
Gruß
Flo